3 Biografischer Teil

Anna Freuds Leben kann in zwei große Abschnitte unterteilt werden: in die Wiener Jahre (1895-1938) und in die Zeit im englischen Exil (1938-1982). Entsprechend habe ich diesen Teil gegliedert und zwischen diesen beiden Abschnitte die Beziehung zwischen Anna Freud und ihrem Vater thematisiert. Dieses Vorgehen soll dem Umstand Rechnung tragen, dass die Biografien zu Anna Freud sehr widersprüchlich sind. Sie entwickeln diametrale Anna-Freud-Bilder.

So ist zum Beispiel Anna Freud nach Wilhelm Salber Lehrerin geworden, weil ihr Abschluss für ein Universitätsstudium nicht ausreichte und der Beruf einer Lehrerin für höhere Töchter als angemessen empfunden wurde [ebd., 1985:14]. Dieser Sicht kann Robert Coles gegenübergestellt werden. Nach ihm wollte Anna Freud nicht an der Universität studieren und hätte dies gemacht, wenn es ihr Ziel gewesen wäre [ebd., 1995:26]. Die größte Konfliktlinie zwischen den Biografen liegt in der Bewertung der Beziehung von Anna Freud und ihrem Vater, aus der ihr bereits zu Beginn ihrer Laufbahn Vorwürfe erwachsen [vgl. 3.2].

Insbesondere in der Psychoanalyse kann eine Theorie nicht vom dem Psychoanalytiker / von der Psychoanalytikerin getrennt werden. Dies gilt noch mehr für die Pioniere der Psychoanalyse. Sie entwickelten ihre Theorie aus ihrer Praxis, aus der Analyse von Patienten und damit aus der Gegenübertragung des Analytikers / der Analytikerin selbst. In diesem Sinne sind blinde Flecken des Analytiker / der Analytikerin eine bedeutende Fehlerquelle. Die widersprüchlichen Biografien über Anna Freud erschweren es, Anna Freud mit ihren Theorien in Bezug zu setzten.

Es ist für eine sozialpädagogische Diplomarbeit eine unlösbare Aufgabe, Anna Freud selbst einer nachträglichen Analyse zu unterziehen, um auf mögliche theoretische Mängel zu schließen. Die sehr widersprüchlichen Darstellungen zu Anna Freud machen es auch unmöglich, sich hierbei auf andere Autoren zu stützen. Diese Arbeit versucht daher bei dem zu bleiben, was Anna Freud selbst schrieb, um nicht allzu sehr in Spekulationen zu verfallen. Kapitel 3.2 ist hier ein Kompromiss. Es wird die Beziehung zum Vater angesprochen, ohne dass dies für die weitere Arbeit Wirkung entfaltet.

3.1 Anna Freuds Lebensweg bis 1938

Anna Freud wurde 1895 in Wien als jüngstes der sechs Kinder Sigmund Freuds geboren, im selben Jahr, in dem Sigmund Freud die Psychoanalyse mit dem Werk „Studien über Hysterie“1 begründete. Sie besuchte ab 1901 die Schule, die sie 1911 am Cottage Lyceum mit der Matura beendete [vgl. Roland Besser, 1982:3]. Anschließend nahm sie eine Ausbildung zur Lehrerin auf, die sie 1914 mit der ersten und 1917 mit der zweiten Prüfung bestand. Sie arbeitete weitere drei Jahre – mit der Bewährung zusammen also fünf Jahre – als Lehrerin am Cottage Lyceum [ebd.]. Für Anna Freud hatte diese Tätigkeit eine weit reichende Bedeutung: „ Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, wird mir klar, wie wichtig diese fünf Jahre für mich waren“ [Anna Freud zitiert nach Robert Colen, 1995:28]. Vermutlich war es diese Tätigkeit, die dazu führte, dass sie sich in ihrer weiteren Entwicklung vornehmlich mit Kindern beschäftigte und immer wieder pädagogische Beiträge veröffentlichte.

Während ihrer Ausbildung zur Lehrerin begann Anna Freud ihr Studium2 der Psychoanalyse. Sie besuchte die Vorlesungen ihres Vaters, nahm an Stationsvisiten bei Paul Schilder und Heinz Hartmann teil und absolvierte schließlich zwischen 1918 und 1921 eine Lehranalyse bei ihrem Vater [Roland Besser, 1982:4].

Anna Freud wurde 1922 Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung (WPV) und nahm 1923 ihre eigene Praxis auf, in der sie vor allem mit Kindern arbeitete [ebd.:8]. Ihre Erfahrungen trug sie ab 1925 am Lehrinstitut der WPV vor, und sie wurden schließlich 1927 in ihrem ersten Werk „Einführung in die Technik der Kinderanalyse“ veröffentlicht.3 1924 wurde sie Mitglied des Komitees4, und ersetzte dort Otto Rank5 [Elisabeth Young-Bruehl, 1995a:201]. Ab 1926 hielt sie vor Pädagogen und Pädagoginnen am Lehrinstitut Vorträge. Diese wurden 1930 in dem Werk „Einführung in die Psychoanalyse für Pädagogen“6 veröffentlicht [Thomas Aichhorn, 2004:20]. 1935 wurde sie schließlich Direktorin des Lehrinstituts der WPV. 1936, zum 80. Geburtstag ihres Vaters, veröffentlichte sie „Das Ich und die Abwehrmechanismen“ und leistete damit einen bedeutenden Beitrag zur Theorieentwicklung. 1937 eröffnete sie einen Kindergarten in Wien, welchen sie ein Jahr später wieder aufgab, da sie 1938 mit ihrer Familie ins englische Exil fliehen musste [Christiane Ludwig-Körner, 2000:78].7

Gemessen an dem heutigen Wissenschaftsbetrieb hatte Anna Freud eine sehr steile Karriere. Dabei muss jedoch beachtet werden, dass es sich bei der WPV weder um eine Hochschule, noch um eine gefestigte Institution gehandelt hat. Vielmehr handelte es sich bei der Psychoanalyse um eine junge Strömung, deren Vereinigung Anfang der 1920er Jahren in Wien keine 40 Mitglieder angehörten [Elke Mühlleitner, 1992].

3.2 Anna und ihr Vater

Joseph Rattner bricht die Beziehung zwischen Anna Freud und ihrem Vater auf wenige Sätze herunter:

„Als Forscherin wurde sie eigenständig im Bereich der Kinderpsychoanalyse und der Kindertherapie. Sie blieb aber doch geistig immer in den Fußstapfen ihres Vaters, der in ihrem Leben gewaltigen Raum einnahm. Daher wohl blieb Anna auch unverheiratet und [...] Freud nannte sie selbst in seinen späten Jahren seine Antigone [...]. In der Tat waltet über Anna Freuds Lebenslauf eine Art ödipus- oder Elektraschicksal, wobei man von einer glücklich kompensierten inneren Tragik sprechen kann. Durch wissenschaftliche Leistungen und übernahme menschlicher Verantwortung gelang dieser Frau erfolgreiche Daseinsbewältigung ...“[Joseph Rattner, 1995:226].8,9.

Die Schlüsselstellung in der Auseinandersetzung um die Beziehung von Vater und Tochter spielt die Lehranalyse, die Anna Freud bei ihrem Vater absolviert hat.10 Dass sich die Auseinandersetzung an diesem Punkt kristallisiert, ist aus psychoanalytischer Sicht verständlich. Die Lehranalyse ist nicht nur ein bedeutender Ausbildungsabschnitt, sondern stellt auch den Ausgangspunkt für die wissenschaftliche Arbeit, insbesondere der Pioniere der Psychoanalyse, dar [vgl. Elisabeth Young-Bruehl, 1995a:147ff]. Ist eine Lehranalyse fehlerhaft, so ist nicht nur die Befähigung zur Behandlung, sondern auch die Theorieentwicklung zweifelhaft. Auf dem Londoner Anti-Anna-Freud-Symposium (1927) wurde Anna Freud zum ersten Mal dieser Vorwurf gemacht. Anna Freud hatte in ihrer „Einführung in die Technik der Kinderanalyse“ (1927) an mehreren Stellen kritisch auf Melanie Klein Bezug genommen. Sie kritisierte nicht nur Melanie Kleins Methode, sondern auch inhaltliche Züge, hier vor allem die Frage, ob ein Kleinstkind einen ödipuskomplex haben kann und ob ein Analytiker / eine Analytikerin pädagogisch tätig sein muss [vgl. Anna Freud, 1987:43ff]. Auf dem Londoner Symposium reagierten die Analytiker um Melanie Klein. Sie warfen Anna Freud vor, dass sie den ödipuskomplex nicht erfassen könne, da ihr ihre nicht gelöste Beziehung zum Vater im Wege stehe [vgl. Uwe H. Peters, 1984:158]. Ella Sharpe konstatierte, dass Anna Freud ein Kind für eine wirkliche Analyse zu jung hielte, und daher eine Verquickung mit der Pädagogik fordere, da sie selbst eine ungenügend analysierte Analytikerin sei, in der ein dem Kind gleiches „tief verankertes sexualverdammendes über-Ich“ [ebd.] wirke.

Die Bewertung der Lehranalyse durch den Vater wird heute von ihren Biografen und Biografinnen unterschiedlich vorgenommen. Einige heben hervor, dass es damals noch keine Vorschriften für die Lehranalyse gegeben hat. Ehemalige Patienten wurden nach der Behandlung selbst Analytiker und Gesunde erwarben sich ihre Befähigung nicht in einer Analyse, sondern in Gesprächen auf ausgedehnten Spaziergängen [Uwe H. Peters, 1984:70] Für Elisabeth Young-Bruehl sind es zwei einfache Gründe, die Sigmund Freud veranlassen, seine Tochter selbst zu analysieren. Erstens waren alle Kollegen, denen er vertraute, in Budapest und Berlin. Diese konnte Anna Freud nicht aufsuchen, da sie durch ihre Beschäftigung als Lehrerin an Wien gebunden war. Zum anderen war die finanzielle Situation der Familie Freud so angespannt, dass es die finanziell günstige Alternative war, dass sie durch ihn analysiert wurde [ebd.:164f].

Letztlich wird die Beziehung zwischen Vater und Tochter nicht nur durch die Lehranalyse auffällig, sondern auch das weitere Leben ist hierdurch gekennzeichnet. Anna Freud hat ihre Praxis im Nachbarzimmer ihres Vaters [Elisabeth Young-Bruehl, 1995a:150f], lebt bis zum Tod des Vater mit diesem in einem Haus und übernimmt hauptsächlich dessen Pflege [ebd., 1995b:11]. Dabei übernimmt sie im Familiengefüge an vielen Stellen die Position ihrer Mutter [vgl. ebd., 1995a:179].

In der Bewertung dieser Auffälligkeiten unterscheiden sich dabei die Biografien deutlich. Elisabeth Young-Bruehl stellt heraus, dass Anna Freud versuchte, aus dem Elternhaus zu entfliehen [ebd., 1995a:169], sie aber spätestens durch die Krebserkrankung ihres Vaters gehalten wurde. Er war es, der ihre Nähe forderte, und er nutzte Anna Freuds Ambivalenz zwischen gehen und bleiben wollen [ebd.:168]. Wilhelm Salber stellt Anna Freud unterdes als eine an ihren Vater libidinös gebundene junge Frau dar, die um ihren geliebten Vater eine Familie aufbaute, deren Oberhaupt sie war und die durch sie kontrolliert wurde [ebd. 1991:31f].

Es würde diese Arbeit überfordern, die Fragen, die andere Arbeiten nicht eindeutig klären konnten, zu beantworten. Und so ist es vielleicht ein zu pragmatischer aber notwendiger Schluss, diesen Abschnitt mit einem Zitat von Grete Bibring zu beenden:

„Käme Anna Freud zu Ihnen oder zu mir als Patientin, dann hätten wir – wie stets – eine Menge zu tun, nicht war? Doch wenn Sie sich ansehen, was sie in ihrem Leben getan hat – dann geht es um ihre Aktivitäten, ihre Forschungstätigkeit und ihre Werke. [...] Vielleicht sollten wir es einfach akzeptieren und würdigen als das, was es war: ein ungewöhnlicher >Moment< zwischen zwei ungewöhnlichen Menschen – es kam doch eine Menge Gutes dabei raus.“ [Grete Bibring zitiert nach Robert Coles, 1995:36].

3.3 Anna Freuds Lebensweg von 1938 bis 1982

Unabhängig davon, wie die Beziehung zwischen Anna Freud und ihrem Vater wirklich war, begann für sie 1938 ein neuer Lebensabschnitt, und dies in mehrfacher Hinsicht. Sie lebte in London, dessen psychoanalytische Vereinigung bis dahin von Melanie Klein dominiert wurde, der zweite Weltkrieg begann und ihr Vater starb 1939 im englischen Exil.

Bereits 1940 wurde sie gebeten, ein Kinderheim für Kriegskinder zu eröffnen [Anna Freud, 1987:XVI]11. Anna Freud legte damit den Grundstein für ihre späteren Arbeiten. Diese Kriegskinderheime bilden zum einen inhaltlich einen Schwerpunkt ihres Spätwerkes und sind gleichzeitig die Räumlichkeiten für ihre 1951 gegründete Klinik. Bereits 1941 begann sie mit inoffiziellen Kursen für die Beschäftigten der Hampstead Nurseries [Anna Freud, 1987:478].12 Mit Kriegsende wurden die Heime geschlossen.

1947 gründete sie die Hampstead Child Therapy Course13, der 1951 die Hampstead Child Therapy Clinic14 folgte [ebd.:1627]. Bis zu ihrem Lebensende wird sie um die Anerkennung dieser Ausbildung ringen [Elisabeth Young-Bruehl, 1995b:249ff] und durch die Gründung verschärfte sich der Konflikt mit der britischen psychoanalytischen Vereinigung [ebd.]. Neben der Ausbildungsstätte war die Hampstead Child Therapy Clinic von Anfang an auch, oder vor allem, eine Forschungseinrichtung [vgl. Anna Freud, 1987:1633], in der durch den von Dorothy Burlingham entwickelten Hampstead Index15 und das von Anna Freud entwickelte Diagnostische Profil16, ein wesentlich breiterer Vergleich von Befunden möglich war [vgl. Elisabeth Young-Bruehl, 1995b:166f].

Um Vergleichsmaterial zu erhalten, gründete Anna Freud einen Kindergarten und baute eine Mütterberatungsstelle sowie Frühfördergruppen auf [ebd.:168]. Des Weiteren entstand eine Kindergartengruppe und Mütterberatungsstelle für blinde Kinder [vgl. Anna Freud, 1987:1627]. Diese Einrichtungen liefern später das Material für verschiedene Veröffentlichungen, von denen besonders ihre Arbeit „Wege und Irrwege in der Kindesentwicklung“ (1965) heraus sticht.

In den späten 1960er Jahren begann Anna Freud ein neues Projekt. Sie wurde gebeten, an der Yale University (USA) Seminare zu halten [Elisabeth Young-Bruehl, 1995b:288]. Neu war für Anna Freud weniger das Thema, zu dem sie referieren sollte – kindliche Entwicklung – sondern vielmehr der Kontext dieser Seminare, da sie am rechtswissenschaftlichen Fachbereich referierte. Zusammen mit Joseph Goldstein und Albert J. Solnit veröffentlichte sie als Summe ihre Wirkens an der Yale University eine Trilogie - „Jenseits des Kindeswohls“ (1973), „Diesseits des Kindeswohls“ (1979) und „Das Wohl des Kindes“ (1986).17

Ein Thema, dass sie insbesondere in den 1960er und 1970er Jahren beschäftigte, ist, das Erbe und den Ruf ihres Vaters zu wahren [Elisabeth Young-Bruehl, 1995b:314ff]. In diesem Zusammenhang wurde sie mit diversen Biografien über ihren Vater konfrontiert, die ihrer Auffassung nach völligen Verzerrungen unterliegen [ebd.:316]

1982 stirbt Anna Freud in England.

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1 Dieses Werk verfasste er zusammen mit Joseph Breuer. Das Werk wird in dieser Arbeit in der Taschenbuchausgabe der Fischer Bücherei aus dem Jahr 1970 zitiert.

2 Es handelte sich nicht um ein formales Studium an einer Hochschule, sondern um eine formlose Beschäftigung mit der Psychoanalyse. Eine Ausbildung wie sie heute existiert, gab es zum damaligen Zeitpunkt nicht.

3 Dieses Buch wird 1929 in der zweiten Auflage um den Artikel „Zur Theorie der Kinderanalyse“ (1928) erweitert. In den Gesammelten Schriften von Anna Freud ist das Buch daher in zwei Teilen zu finden. Kapitel eins bis vier des Buches finden sich auf den Seiten 11ff mit der überschrift „Vier Vorträge über Kinderanalyse“, während sich das fünfte Kapitel hiervon losgelöst auf den Seiten 165ff unter der überschrift „Zur Theorie der Kinderanalyse“ findet.

4 „Das Komitee wurde im Jahre 1912 nach dem Abfallsbewegungen durch Carl G. Jung und Alfred Adler initiiert, um einen zuverlässigen Kreis von Mitstreitern um Sigmund Freud zu etablieren und um die Nachfolge von Sigmund Freud zu sichern [Roland Besser, 1982:7].

5 Otto Rank war ein enger Schüler von Sigmund Freud, und seit 1911 sein Privatsekretär. 1929 trat er aus der WPV aus, und distanzierte sich von Sigmund Freud. Insbesondere seine seit 1924 entwickelte Theorie des Geburtstrauma und seine mit Sándor Ferenczi vertretende Position, dass die kindliche Vergangenheit für die Behandlung unproduktiv sein, beförderte diesen Bruch [Joseph Rattner, 1995:136f]. Otto Rank emigrierte 1935 in die USA. Nach Ernst Feder liegt in der Abkehr von Otto Rank und dessen Emigration in die USA, in der er immer noch als klassischer Psychoanalytiker und Privatsekretär Sigmund Freuds wahrgenommen wurde, eines der Urprobleme in der Re-Integration von psychoanalytischen Konzepten in Europa [Ernst Feder, 1993:17].

6 In den Gesammelten Schriften ist der Hauptteil dieses Buches unter dem Titel „Vier Vorträge über Psychoanalyse für Lehrer und Eltern“ zu finden. In diesen Vorträgen bezieht sie sich jedoch ausschließlich auf Erzieherinnen [Anna Freud, 1987:79]. Zu vermuten ist, dass der deutsche Titel dieser Vorträge einem übersetzungsfehler geschuldet ist. Die gesammelten Schriften sind zunächst in englischer Sprache veröffentlicht worden. Entsprechend des Langenscheidt Großwörterbuch Englisch (2004) wird Erzieher je nach Tätigkeitsbereich mit educator, teacher, tutor oder governess übersetzt [ebd.:1326]. So kann in einer übersetzung, aus dem englischen teacher (Erzieher im Kindergarten) der deutsche Lehrer entstanden sein. 1956 wurde das Buch deutlich erweitert erweitert. Das nun fünfte Kapitel findet sich in den Gesammelten Schriften auf Seite 1257ff unter der überschrift „Die Rolle der körperlichen Krankheit im Seelenleben des Kindes“ (1952). Das sechse Kapitel entspricht S. 1531ff mit dem Titel „Einige Bemerkungen zur Säuglingsbeobachtung (1953). Der siebente Teil „Die Aggression in ihrer Beziehung zur Normalen und pathologischen Gefühlsentwicklung“ lässt sich in identischer Form nicht in den Gesammelten Schriften wieder finden. Er weist jedoch ähnlichkeiten mit „Bemerkungen zur Aggression“ (1948) S. 1061ff auf.

7 Offiziell wurde dieser nicht von ihr geführt, da dies durch den wachsenden Antisemitismus in österreich nicht mehr möglich war [Christiane Ludwig-Körner, 2000:78].

8 Sibylle Duda, vertritt die Auffassung, dass Anna Freud gegen den Willen ihres Vaters eine Liebesbeziehung zu Dorothy Burlingham hatte [Sibylle Duda, 2005]. Mit dieser Position steht sie meiner Recherche zufolge jedoch allein und die Beziehung zu Dorothy Burlingham wird allgemein als Freundschaft bezeichnet [vgl. Joseph Rattner, 1995:226].

9 Antigone, Tochter des ödipus, wird erstmals in der Tragödie „ödipus“ des Sophokles erwähnt. Sie folgt ihrem Vater in die Verbannung, versucht später den prophezeiten tödlichen Streit zwischen ihren Brüdern zu verhindern und wird zum Tode verurteilt, als sie trotz Verbot der Götter ihrem Bruder die Totenzeremonie erweist. Sie wird von ihrem zugesagten Mann befreit und begeht mit ihm Selbstmord [Wikipedia, 2006]. Unter anderem Joseph Rattner bezieht die Antigone darauf, dass sie ihrem Vater folgte [Joseph Rattner, 1995:226].

10 Wilhelm Salber zufolge wurde sie 1924 wieder aufgenommen [ebd., 1991:27] und Elisabeth Young-Bruehl vermutet, dass Lou Andreas Salomé die zweite Lehranalytikerin von Anna Freud war [ebd., 1995:158]. Roland Besser stellt dies als sehr fraglich dar [ebd., 1982:7f].

11 Vorworte von Anna Freud zu den einzelnen Bänden ihrer „Gesammelten Schriften“ werden losgelöst von den Texten mit römischen Zahlen nummeriert. Dieser Beleg bezieht sich auf Anna Freud Vorwort zu den Bänden II und III aus dem Jahr 1973.

12 Da die Ausführungen zu dieser Ausbildung nur sehr dürftig sind, werde ich sie nicht weiter aufgreifen. In den Kriegsberichten finden sich einige kurze Schilderungen über den Inhalt und die Organisation [vgl. Anna Freud, 1987:478; 619; 674].

13 Es handelt sich hier um eine Ausbildungsstätte für Kinderanalytiker und Kinderanalytikerinnen, die sie zusammen mit Kate Friedlaender gründete.

14 Eine Therapieeinrichtung für Kinder, die heute den Namen „Anna Freud Centre“ trägt.

15 Der Begriff Hampstead Index bezeichnet ein Karteikartensystem, in das Befunde und Erfahrungen einsortiert wurden. Hierdurch war es möglich, unter einem Schlagwort verschiedene Befunde und Krankengeschichten nachzulesen. Dies führte zu einer differenzierteren Theorieentwicklung. Im Vergleich zur früheren Arbeitsweise, in der vornehmlich aus eigenen Fallmaterial Theorien entwickelt wurden, war so einem Analytiker eine größere Zahl von Fällen zum Vergleich zugänglich.

16 Hier handelte es sich um einen standardisierten Bogen, der für die Diagnose verwendet wurde.

17 Die hier angegeben Jahreszahlen entsprechen der englischen Originalauflage. In deutscher Sprache erschienen die ersten Auflagen: „Jenseits des Kindeswohl“ (1974), „Diesseits des Kindeswohl“ (1982) und „Das Wohl des Kindes“ (1988). In der Arbeit wird jeweils die deutsche Erstauflage genutzt. Auch wenn „Das Wohl des Kindes“ nach Anna Freuds Tod veröffentlicht wurde, war sie von 1979 – 1982 an der Arbeit beteiligt [vgl. Anna Freud / Joseph Goldstein / Albert J. Solnit, 1988:20].